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Vorschriften

Die USA nennt sich selbst und ist auch ja bekannt als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nun, die Begrenzungen fangen wohl in unserem Garten an.

Wir wollten unseren Zaun frisch lackieren und haben deshalb unseren Vermieter kontaktiert, ob das auch in Ordnung ist. Sie fand das toll und hat uns gleich mal die Richtlinien für unser kleines Dörfchen geschickt. Ein Wink mit dem Zaunpfahl dass Pink als Farbe nicht in Frage kommt (wie schade!).

Brav wie ich bin, hab ich das Ding natürlich gelesen und war, sagen wir mal, sehr überrascht (milde ausgedrückt). Die Vorschriften für unseren kleinen Ortsteil besagen nämlich folgendes:

1. wenn ich einen Basketballkorb aufstellen will, dann darf er nur in der Auffahrt angebracht werden und darf keine anderen Farben als weiss, grau oder schwarz enthalten. Alle anderen Farben sind verboten.

 

2. sollte ich mir einbilden ein Spielset im Garten aufzustellen, muss ich ihn mir erst genehmigen lassen, obwohl unser Grundstück umzäunt ist. Sollte er zu hoch sein, wird er nicht genehmigt. Leider wussten wir das nicht, bevor wir dieses Riesending gekauft hatten!

 

3. vor dem Haus darf nichts abgestellt werden: kein Kinderfahrrad, kein Aschenbecher (unserer wurde uns am 2. Tag hier geklaut - Zufall? Ich glaube nicht!) und natürlich auch kein Boot. Toll, was mach ich jetzt mit meiner Yacht? Aufs Dach stellen? (sollte ein Scherz sein, wir haben keine - noch nicht )

 

4. und das ist mein absoluter Liebling: an Fenstern, die von aussen sichtbar sind, darf man keine farbigen Vorhänge anbringen, sie dürfen weiss, beige oder grau sein. Sonst wäre die schöne Fassade dahin.

 

...ich hab mir die besten rausgepickt, die Liste ist ellenlang.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es toll hier. Aber manche Dinge sind so kurios, dass sie für uns Europäer einfach unbegreiflich sind.

Wie die nette Dame, die täglich die Post bringt. Sie ist einfach göttlich in ihrem kleinen, weissen, türlosen Auto. Sie fährt vorsichtig im Schritttempo durch die Strassen und bleibt vor jedem Briefkasten stehen und wirft die Post ein. Päckchen werden neben dem Briefkasten abgestellt und das alles ohne Auszusteigen. Eines Tages passierte nun etwas Unvorhergesehenes: vor unserem Haus stand ein LKW und BLOCKIERTE den Briefkasten. So, was tun? Abwarten? Dauert zu lange. Aussteigen? Ausgeschlossen! Da gibt sie unsere Post einfach dem Fahrer des LKW und bittet darum sie uns zu übergeben - ist das nicht nett?

2 Kommentare 2.3.08 20:26, kommentieren

Tornados und andere Katastrophen

Irgendwie komme ich zur Zeit kaum zum schreiben. Es mangelt ja nun wirklich nicht an Material, nur die Tage vergehen viel zu schnell und ich schaffe es nicht ein paar Minuten für meinen Blog zu erübrigen. Aber jetzt hab ich Unterstützung: meine liebe Schwester ist samt Familie hier. Und während sie unsere kleinen "Monster" ins Bett bringt, widme ich mich still und heimlich meiner Seite.

Was gibt es Neues bei uns!? Ein Tornado hat Georgia heimgesucht. Bei uns ist er zum Glück nicht vorbei gerauscht, aber Atlanta hat es ziemlich heftig erwischt. Am schlimmsten beschädigt ist das CNN Center und die Phillips Arena, in der sollte übrigens ein Eishockeyspiel stattfinden für welches mein Göttergatte und mein Schwager Tickets haben! Wir müssen jetzt erstmal rausfinden ob da überhaupt noch was gespielt wird.

Heute nachmittag haben wir der Hauptstadt unseres Staates mal einen Besuch abgestattet und festgestellt, dass die Aufräumarbeiten sehr schnell voran gehen. Der rote Sessel der vor das CNN Center aus der 28. Etage geschleudert wurde ist auch schon entfernt worden (genau dieses Bild vom roten Sessel wurde durch sämtliche Sender gereicht). Das Aquarium sollte unser eigentliches Ziel werden, aber die angerichteten Schäden haben uns mehr gefesselt. Riesige Wolkenkratzer mit ausgeschlagenen Fenstern, einige bereits mit Spanplatten bedeckt. Häuser, denen Wände und Dächer fehlen, ausgerissene Bäume und Zäune, umgefegte Säulen und so weiter und so fort.

Aber ich bin sicher, dass Atlanta innerhalb kürzester Zeit in altem Glanz erstrahlen wird. Die Amerikaner bringen ihre angeschlagene Fassade grundsätzlich schnell wieder auf Fordermann. Ihr wisst ja, nach Aussen hin muss alles perfekt sein!

 

Themawechsel: wir haben uns ein zweites Auto gekauft. Nein, wir sind nicht Grössenwahnsinnig. Ohne Auto kommt man hier einfach nicht weit. Der nächste Supermarkt ist 3 Meilen (ca. 5 km) entfernt und der nächste halbwegs akzeptable Spielsplatz ganze 5 Meilen. Die Suche hat viel Zeit und Nerven in Anspruch genommen, aber wir waren schlussendlich erfolgreich. Jetzt habe ich keine Ausrede mehr, jetzt MUSS ich meinen Führerschein machen.

 

Wir haben endlich auch unseren Kurzurlaub gebucht. Ich habe lange gesucht bis ich ein perfektes kleines Örtchen in Florida entdeckt habe. Jetzt kann ich es kaum erwarten endlich ans Meer zu fahren und meine abgespannten Füsse in den weissen Puderzuckersand zu stecken. Männe übernimmt die Kinder und ich werde endlich wieder lesen (aber erzählt ihm nichts davon, sonst weigert er sich noch mitzufahren) 

 

So und nun ich auch schon wieder los...bis zum nächsten Mal! 

 

17.3.08 02:40, kommentieren